Nietzsche für Dummies

Angeregt durch verschiedene Foren-Ereignisse und Debatten, in denen immer wieder aufs Neue die selben Nietzsche-Klischees, die selben erkenntnisarmen Interpretationen und oft auch ganz einfach die grundfalschen Rezeptionen als Tatsachen-Behauptungen auftauchen und stetig weiter verbreitet werden, möchte ich mir die Mühe machen, ein paar Basics und Gedanken zum ‚richtigen‘ Nietzsche-Verständnis zu veröffentlichen – ausgehend von einer einzigen Seite – der ersten Seite des Zarathustras – wobei ich, um den Unken gleich zuvorzukommen, mir natürlich die Mühe mache werde, die einzelnen Statements und Gedankengänge hinreichend-sachlich – also immer doppelt – (journalistischer Standard, sozusagen) zu belegen, zudem gibt es hier auch noch einen folgerichtigen inneren Kontext, auf den ich mich doch gleich mal von Anfang beziehen möchte – ob das nun einem Jedem gefallen dürfte oder auch nicht – einen Kontext, der es mir meiner Meinung nach erlaubt, dem Geschwätz von den unterschiedlich- beliebigen Meinungen, die man eben zu Nietzsche haben könne und der großen Rede von der Beliebigkeit der Nietzsche-Rezeptionen (als letztes Totschlag-Argument der Bildungsphilister) zurückzuweisen. In der letzten Zeit sind verschiedenen Tendenzen in den öffentlichen philosophischen Diskussionen zu entdecken, so die Debatte bei Nietzsche ankommt, ich möchte die beiden wichtigsten einmal benennen und durchleuchten: Die erste postuliert in der Abgrenzung zur sogenannten  ‚kontinentalen Philosophie‘, dass ab Kant die Philosophie (im Sinne der analytischen Philosophie der Wittgensteinerianer bzw der Anhänger einer mathematisch-logisch-rationalen, naiv-wissenschaftsgläubigen und feindlichen Übernahme der Philosophie) – dass (ab Kant) die Philosophie in Europa sich unseriös, unsachlich und wirr entwickelt habe (da man insbesondere bei Nietzsche kein klassisches und architektonisch-simples „System“ entdecken könne, wie bspw bei Kant) und dass Nietzsche so gesehen bestenfalls Literatur sei und diese oberflächliche und projizierende und falsche Sichtweise gipfelt dann oft in der vollmundigen und fischmarktlauten Forderung, man möge diesen Nietzsche doch bitte vollständig aus der Philosophie verbannen, da er ja gar kein ‚richtiger‘ Philosoph sei, sondern eben bestenfalls ein Literat.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die andere Sorte der oberflächlichen Nietzsche-Rezipienten dann meistens auch, wenn auch über einen anderen Umweg: Die einfältige, politische Analyse fordert eine simple Einordnung des jeweiligen Philosophen in die üblichen rechts-links Muster und mit dem Versuch, aus Nietzsche den Philosophen des Faschismus zu kreieren und in seinen Schriften dahingehende Anzeichen und Textpassagen zu finden, wird er dann gerne zum Anti-Demokraten, oder eben wahlweise zum Sexisten, Rassisten, Antisemiten oder Nationalisten hochstilisiert, dessen Lehren man empört ablehnt, um schlussendlich ebenso zu erklärten dass man ihn aus den heiligen philosophischen Hallen, aus den Tempeln der Bildungsphilister entfernen müsse.

Nun kritisieren hier oft Personen, die ja selbst meistens noch keine nennenswerte Veröffentlichungen, keine ausgearbeiteten eigenen Bücher oder sonstige philosophische Neuerungen oder Gedanken beigetragen haben, das Werk einer der zentralen philosophischen Figuren des letzten Jahrhunderts – im Guten wie im Bösen und natürlich gibt es aus heutiger Sicht einiges an Nietzsche zu kritisieren, jedoch möchte ich auf zwei Besonderheiten hinweisen:

1.) Die ‚philosophische Baustelle‘ an der Nietzsche arbeitete – in der Folge der Problematik, die Immanuel Kant verursachte, die ist durchaus immer noch brandaktuell – in jeder denkbaren politischen, religiösen, staatlichen und sonstigen geistigen Beziehung und zudem

2.) scheint mir die Lösung, die Nietzsche anbietet, trotz meiner eigenen Befangenheit, schlussendlich so überzeugend (also auch unabhängig von meiner eigenen beruflichen Involvierung) dass ich schon der Meinung bin, dass es Not tut, diesen falschen Nietzsche-Interpretationen etwas entgegen zu stellen und Nietzsche sozusagen ein wenig zu verteidigen  – trotz der gesamten historischen Problematik, die ich selbstredend als Erster zugestehe und in diesem Sinne sicherlich auch nie in Abrede stellen würde.

Weiterlesen

 

Nietzsche auf Papier – Aquarellmalerei

Summary
Nietzsche für Dummies
Article Name
Nietzsche für Dummies
Description
Nietzsches Zarathustra als philosophisches Projekt
Author
Publisher Name
eq-Paintings.net
Publisher Logo
No ratings yet.

Please rate this



Kommentare sind geschlossen.